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Niederfinow und sein Schiffshebewerk – Alle Tipps für Euren Besuch

Wenn wir unterwegs zu einem Urlaub in Deutschland oder im näheren europäischen Ausland sind, nutzen wir gerne den Anreisetag, um uns auf dem Weg noch etwas anzuschauen. Das ist immer eine willkommene Abwechslung – vor allem auf längeren Fahrten – und man entdeckt viel Neues. Und so hat es uns bei einer Reise an die Ostsee zum Schiffshebewerk Niederfinow in Eberswalde – Finow verschlagen.

Ein technisches Juwel, das leider in Vergessenheit geraten zu sein scheint.

Die Faszination der Schiffshebewerke: Ein Überblick

Wer an Brandenburg denkt, hat oft endlose Wälder, ruhige Seen und idyllische Alleen vor Augen. Doch in Niederfinow, einer beschaulichen Gemeinde im Landkreis Barnim, wartet ein echtes Kontrastprogramm auf Euch. Hier schlägt das Herz der deutschen Binnenschifffahrtsgeschichte. Das Schiffshebewerk Niederfinow ist kein einzelnes Monument, sondern ein beeindruckendes Ensemble aus zwei Generationen deutscher Ingenieurskunst: dem historischen Hebewerk von 1934 und dem modernen Nachfolger, der im Jahr 2022 offiziell in Betrieb genommen wurde.

Der Grund für den Bau dieser gigantischen Anlagen liegt in der Topografie der Region. Die Oder-Havel-Wasserstraße muss hier den Übergang vom höher gelegenen Barnim-Plateau in das tiefer liegende Odertal überwinden. Ein Höhenunterschied von satten 36 Metern steht den Schiffen hier im Weg. Um diesen zu bewältigen, brauchte es Meisterleistungen der Technik.

Heute zieht der Standort jährlich Hunderttausende Besucher an. Es ist die einzigartige Mischung aus rauer Industriearchitektur, der nostalgischen Eleganz des alten Hebewerks, der futuristischen Ästhetik des neuen Bauwerks und der umgebenden Natur des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin, die diesen Ort so besonders macht. Ihr könnt hier problemlos einen ganzen Tag verbringen, ohne dass auch nur einen Moment Langeweile aufkommt.

Schiff im Schiffshebewerk Niederfinow

Das historische Schiffshebewerk: Ein geschütztes Industriedenkmal

Beginnt Eure Entdeckungstour am besten beim älteren der beiden Brüder. Das historische Schiffshebewerk Niederfinow ist das älteste noch betriebsbereite Schiffshebewerk Deutschlands und ein geschütztes Baudenkmal von internationalem Rang. Im Jahr 2007 wurde es sogar mit dem Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.

Die Entstehung und der Bau

Das Schiffshebewerk Niederfinow ist das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands. In den 1920er Jahren reichte die alte vierstufige Schleusentreppe von 1912 längst nicht mehr aus, um das wachsende Verkehrsaufkommen auf dem Kanal zu bewältigen. Die Wartezeiten für die Kähne waren enorm. Ein neues, revolutionäres Konzept musste her: Ein vertikales Schiffshebewerk.

Die ersten Pläne zu dem Bau entstanden allerdings schon im Jahr 1906, als der Oder-Havel-Kanal ausgehoben wurde und es einen großen Höhenunterschied zu überwinden galt. So wurde beschlossen eine Schleusentreppe mit vier Kammern zu errichten. Durch den ersten Weltkrieg verzögerten sich die Bauarbeiten allerdings und erst 1927 wurde der Bau des Gegengewichtshebewerk wieder aufgenommen werden. Diese waren nicht einfach, und so wurde das Schiffshebewerk Niederfinow nach 7 Jahren Bauzeit am 21. März 1934 in Betrieb genommen.

Bereits von Beginn an wurden Schiffe ohne eigenen Antrieb mit Treidellokomotiven in den Trog gezogen. Dies wurde erst in den 60er Jahren auf Grund von Unwirtschaftlichkeit beendet. Eine der Treidellokomotiven steht heute als restauriertes Denkmal auf der Kanalbrücke westlich des Hebewerks.

1980 wurde das Hebewerk einer Generalüberholung unterzogen, 1984/1985 wurden auch die Tragseile erneuert. Da das alte Schiffshebewerk den modernen Anforderungen und Verbandsgrößen nicht mehr gewachsen war, wurde 1997 der Bau eines neuen größeren Hebewerks beschlossen. Es wurde bis heute allerdings noch nicht eröffnet.

Heute zieht das Schiffshebewerk jährlich rund 200.000 Besucher an. Wir waren 4 davon.

Wissenswertes zum Schiffshebewerk

Das Schiffshebewerk überwindet einen Höhenunterschied von 36 Metern – und das in weniger als einer halben Stunde – und ist Teil des Oder-Havel-Kanals. Wer mag, kann das Hebewerk auch im Inneren besichtigen. Der Eintritt kostet 12,00 € für Erwachsene und 8,00 € für Kinder. Es ist also auch als Ausflugsziel für Familien gut geeignet.

Zuerst kann man das Schiffshebewerk trotz seiner Größe kaum entdecken. Über all die Jahre wurde der Kollos von der umliegenden Natur umschlungen und hat sich total integriert. Oben auf dem Hebewerk angekommen hat man einen unglaublichen Rundumblick bis zur Lieper Schleuse und zum Oderbruch. Allein dieser Blick ist schon eine Reise wert.

Wie funktioniert der historische Fahrstuhl?

Das Prinzip des Hebewerks basiert auf dem Gesetz von Archimedes und ist ebenso genial wie physikalisch faszinierend. Ein Schiff, das in den wassergefüllten Trog einfährt, verdrängt exakt sein eigenes Gewicht an Wasser. Das bedeutet: Der Trog ist immer gleich schwer, ganz egal, ob sich ein großes Schiff, ein kleines Boot oder gar kein Schiff darin befindet. Der Trog wiegt mitsamt dem Wasser rund 4.300 Tonnen.

Um diese enorme Last mit minimalem Energieaufwand auf und ab zu bewegen, arbeitet das Hebewerk mit einem ausgeklügelten Gegengewichtssystem. An insgesamt 256 Stahlseilen hängen exakt austarierte Betongewichte, die das Gewicht des Troges perfekt ausbalancieren. Dadurch reichen vier vergleichsweise kleine Elektromotoren mit jeweils nur 75 PS aus, um den Trog in Bewegung zu setzen. Für eine Fahrt über die 36 Höhenmeter benötigt das historische Hebewerk gerade einmal fünf Minuten. Ein faszinierendes Schauspiel, das Ihr bei Eurem Besuch unbedingt live beobachten müsst.

 

Highlights und Aktivitäten für Besucher

Das Gelände rund um die Schiffshewerke ist vollkommen auf Tourismus eingestellt und bietet Euch eine Vielzahl an Möglichkeiten, den Ausflug aktiv und abwechslungsreich zu gestalten. Hier sind die besten Aktivitäten, die Ihr auf Euren Zettel schreiben solltet:

Die Aussichtsplattform auf dem historischen Hebewerk

Ein absolutes Muss für jeden Besucher ist der Aufstieg auf das historische Schiffshebewerk. Über Treppen oder ganz bequem mit einem Aufzug gelangt Ihr auf die obere Besucherplattform. Von hier oben, in knapp 40 Metern Höhe, habt Ihr nicht nur einen fantastischen Blick auf die Mechanik, die riesigen Seilscheiben und die Zahnstangen des Hebewerks, sondern auch eine grandiose Aussicht.

Euer Blick schweift über das weite Oderbruch, den Nationalpark Unteres Odertal und die sich durch die Landschaft schlängelnden Kanäle. Zudem könnt Ihr von hier aus perfekt von oben in den Trog des neuen, benachbarten Hebewerks blicken und die dortigen Schiffsbewegungen beobachten.

Eine Schleusenfahrt hautnah erleben

Nichts schlägt das persönliche Erlebnis. Ihr solltet es nicht verpassen, selbst einmal in einem Boot durch eines der Hewerke transportiert zu werden. Vor Ort bieten mehrere Fahrgastschifffahrtsunternehmen mehrmals täglich Rundfahrten an.

Die Ausflugsschiffe legen direkt unterhalb der Hebewerke an. Sobald Ihr an Bord seid, fährt das Schiff in den riesigen Trog ein. Die Tore schließen sich hinter Euch, und die Fahrt nach oben beginnt. Es ist ein beinahe magisches Gefühl: Man spürt kaum eine Erschütterung, während die Betonwände und Stahlträger langsam an einem vorbeigleiten und sich der Horizont öffnet. Nach der Ausfahrt auf die obere Kanalhaltung wendet das Schiff meist und fährt wieder zurück nach unten. Ein unvergesslicher Spaß, besonders auch für Kinder!

Das Informationszentrum und die Ausstellungen

Um die technischen Hintergründe und die Geschichte des Ortes wirklich zu verstehen, lohnt sich ein Besuch im Informationszentrum. Hier erwarten Euch interaktive Modelle, historische Fotos, Originaldokumente aus der Bauzeit und informative Kurzfilme. Ihr erfahrt anschaulich, wie die Schleusentreppe funktionierte, welche logistischen Meisterleistungen für den Bau der Hebewerke nötig waren und wie die Zukunft der Binnenschifffahrt in der Region aussieht.

Die historische Schleusentreppe: Auf den Spuren der Vergangenheit

Bevor die Schiffshewerke gebaut wurden, nutzten die Kähne die sogenannte Schleusentreppe Niederfinow, um den Höhenunterschied zu überwinden. Diese bestand aus vier hintereinandergeschalteten Schleisenbecken, in denen sich die Schiffe von Stufe zu Stufe nach unten oder oben arbeiteten. Eine Passage dauerte damals oft mehrere Stunden.

Heute ist die Schleusentreppe stillgelegt, aber in Teilen noch hervorragend erhalten. Ein wunderschöner Wanderweg führt Euch entlang der alten gemauerten Schleusenbecken, die sich die Natur langsam zurückerobert. Hier herrscht eine ganz besondere, fast schon verwunschene Atmosphäre. Für geschichtsinteressierte Besucher ist dieser Spaziergang eine ideale Ergänzung zum trubeligen Geschehen an den modernen Hebewerken. Zudem findet Ihr entlang des Weges Schautafeln, die die Funktionsweise der alten Treppe erklären.

Die Umgebung erkunden: Ausflugsziele rund um Niederfinow

Wenn Ihr Euren Ausflug zum Schiffshebewerk mit weiteren Highlights in der Region verknüpfen möchtet, bietet das Barnimer Land eine Fülle an Möglichkeiten. Niederfinow eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Entdeckungstouren.

Das Kloster Chorin

Nur wenige Kilometer nordwestlich von Niederfinow liegt das weltberühmte Kloster Chorin. Die Ruine des ehemaligen Zisterzienserklosters ist ein Paradebeispiel der norddeutschen Backsteingotik. Eingebettet in eine malerische Wald- und Seenlandschaft strahlt dieser Ort eine tiefe Ruhe aus. Ihr könnt die Anlage besichtigen, durch die alten Kreuzgänge wandeln und im Sommer den Klängen der hochkarätigen Konzerte des „Choriner Musiksommers“ lauschen.

Der Finowkanal: Das Mekka für Wassertouristen

>Der Finowkanal ist die älteste noch schiffbare künstliche Wasserstraße Deutschlands. Heute ist er ein Paradies für Kanuten, Kajakfahrer und Freizeitkapitäne mit Floßen oder Hausbooten. Die ufernahen Wege eignen sich zudem fantastisch für ausgedehnte Fahrradtouren. Ihr könnt Euch in der Nähe der Hebewerke auch selbst ein Kajak leihen und ein Stück auf dem historischen Kanal paddeln.

Die Waldstadt Eberswalde

Die nahegelegene Stadt Eberswalde lockt mit weiteren Attraktionen. Besucht den liebevoll gestalteten Familiengarten Eberswalde, ein ehemaliges Walzwerkgelände, das in einen Erlebnispark verwandelt wurde. Hier könnt Ihr mit Tretbooten unterirdische Kanäle erkunden oder den alten Eberkran besteigen. Auch der Zoologische Garten Eberswalde, der als einer der schönsten Kleintierzoos Deutschlands gilt, ist ein tolles Ziel für Familien.

Das Binnenschifffahrtsmuseum Oderberg

Nur ein kurzes Stück weiter östlich von Niederfinow, wo das Odertal in eine malerische Hügellandschaft übergeht, liegt das geschichtsträchtige Städtchen Oderberg. Für Euch ist der Besuch des dortigen Binnenschifffahrtsmuseums die perfekte Ergänzung zum Erlebnis an den Hebewerken. Hier taucht Ihr tief in die jahrhundertealte Geschichte der Schifffahrt auf der Oder und ihren Nebenflüssen ein.

Das absolute Highlight der Ausstellung wartet im Außenbereich auf Euch: der historische Raddampfer „Riesa“. Dieser letzte erhaltene Elbe-Heckraddampfer liegt hier dauerhaft vor Anker und kann von Euch von den Mannschaftskajüten bis hinauf zur Brücke komplett besichtigt werden.

Im Museumsgebäude selbst bewundert Ihr detailreiche Schiffsmodelle, historische Dokumente, alte Navigationsgeräte und erfahrt viel Wissenswertes über das harte Leben der Binnenschiffer in vergangenen Zeiten sowie über die Entstehung des nahegelegenen Oderbruchs. Ein wunderbarer Zwischenstopp, der Technikgeschichte greifbar und lebendig macht!

Praktische Tipps für Euren Besuch

Damit Euer Ausflug zum Schiffshebewerk Niederfinow reibungslos verläuft, solltet Ihr einige praktische Hinweise beachten:

Anreise und Parken

  • Mit dem Auto: Aus Richtung Berlin kommend fahrt Ihr am besten über die Autobahn A11 (Abfahrt Finowfurt) oder die Bundesstraße B158 über Bad Freienwalde. Die Strecke ist ab Eberswalde hervorragend ausgeschildert. Vor Ort gibt es einen großen, kostenpflichtigen Besucherparkplatz, der nur wenige Gehminuten von den Hebewerken entfernt ist.
  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Ihr könnt mit dem Regionalzug (RE3 oder RB24) bis nach Eberswalde fahren. Von dort aus verkehren regelmäßig Buslinien (z. B. die Linie 865) direkt bis zum Schiffshebewerk. Alternativ gibt es auch einen kleinen Bahnhof* direkt in Niederfinow, von dem aus Ihr einen circa zwei Kilometer langen, schönen Spaziergang zum Hebewerk machen könnt.

Barrierefreiheit

Das Gelände wurde in den letzten Jahren stark modernisiert. Das Informationszentrum, die Zuwege zu den Aussichtspunkten am neuen Hebewerk sowie der Zugang zur oberen Plattform des historischen Hebewerks via Fahrstuhl sind barrierefrei gestaltet. Auch die meisten Fahrgastschiffe sind auf die Mitnahme von Rollstühlen und Kinderwagen eingestellt.

Beste Reisezeit und Öffnungszeiten

Die Schiffshewerke sind ganzjährig ein faszinierender Anblick, die Hauptsaison für den Tourismus, die Gastronomie und die Fahrgastschifffahrt läuft jedoch von April bis Oktober. In dieser Zeit finden die meisten Schiffsbewegungen statt. Wenn Ihr die Hewerke in Aktion sehen möchtet, solltet Ihr Euren Besuch auf die Wochenenden oder die Sommermonate legen, da dann neben der Berufsschifffahrt auch unzählige Freizeitkapitäne geschleust werden. Die genauen Öffnungszeiten der Aussichtsplattform und des Infozentrums solltet Ihr vorab auf der offiziellen Website prüfen, da diese saisonal variieren.

Übernachten

Wenn Ihr längere Zeit vor Ort verbringen wollt, dann steht Euch das „Hotel am Schiffshebewerk*“ zur Verfügung. Zudem gibt es mehrere gemütliche Ferienwohnungen in der Nähe*, in die Ihr Euch einmieten könnt.

Fazit: Ein lohnendes Ausflugsziel für jedermann

Das Doppel-Schiffshebewerk Niederfinow ist zweifellos eines der imposantesten und lohnendsten Ausflugsziele, die Brandenburg zu bieten hat. Es ist ein Ort, an dem die monumentale Wucht von Tonnen aus Stahl und Beton auf die sanfte, stille Schönheit des Barnimer Landes trifft. Was diesen Besuch so besonders macht, ist die erlebbare Kontinuität der Technik: Ihr steht mitten im Hier und Jetzt und blickt gleichzeitig auf fast ein Jahrhundert meisterhafte Ingenieursgeschichte zurück.

Ob Ihr nun ehrfürchtig zu den riesigen Konstruktionen emporschaut, von der Aussichtsplattform den weiten Blick über das Odertal genießt oder das Hebewerk bei einer Bootstour im Trog selbst hautnah erfahrt – die Faszination dieses Ortes greift sofort um sich. Durch die hervorragende Infrastruktur, die barrierefreien Zugänge, die abwechslungsreiche Gastronomie und die Fülle an Kombinationsmöglichkeiten in der nahen Umgebung wie dem Kloster Chorin oder dem Finowkanal wird der Ausflug zu einem runden Erlebnis für die ganze Familie.

Wenn Ihr auf der Suche nach einem Ziel seid, das Wissen, Staunen, Natur und Erholung perfekt miteinander verbindet, dann solltet Ihr das Schiffshebewerk Niederfinow ganz oben auf Eure Reise-Bucket-List für die Region setzen. Uns hat es hier auf jeden Fall sehr gut gefallen

 

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Kathleen

„Hallo, ich bin Kathleen – das Gesicht hinter Immer auf Reisen. Während andere in die Ferne schweifen, habe ich mein Herz an die verborgenen Schätze Deutschlands verloren. Als Expertin für Kleinstadtperlen, historische Fachwerk-Juwelen und kulturelle Roadtrips zeige ich euch, dass das wahre Abenteuer oft direkt vor der Haustür liegt.

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