Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Ich wollte auf Insta einen simplen Trick zeigen, der bei mir seit Jahren funktioniert (und von dem sicherlich schon die meisten vorher gehört hatten): rote Unterwäsche unter weißen Oberteilen. Eine reine Farblehre, die mir die ewige Suche nach dem „perfekten“ beigefarbenen BH erspart. Ich zog also ein weißes T-Shirt über meinen roten BH, filmte es und klickte auf „Teilen“. Ein Klick, der, wie sich herausstellen sollte, eine kleine Lawine lostreten würde.
Über 350.000 Aufrufe später stehe ich hier, umgeben von einem digitalen Echo, das ich so nicht erwartet hätte, und frage mich ernsthaft: Warum arbeiten sich Menschen an einer Farbe ab? Und was sagt das über die Mechanismen von Instagram Reichweite im Jahr 2026 aus, einer Zeit, in der Authentizität und Algorithmen in einem ständigen Spannungsfeld stehen?

Werbung
Lust auf frischen Wind im Kleiderschrank?
Ich habe dir eine kleine Auswahl mit aktuellen Lieblingsstücken zusammengestellt –
eine persönliche Auswahl aus verschiedenen Online-Shops, die dich durch graue Tage begleiten könnten.
Wenn du über diesen Link etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision – für dich bleibt alles beim Alten.
👉 Meine Auswahl
Wenn nach 13 Jahren plötzlich die Post abgeht
Ich bin jetzt seit über 13 Jahren auf Instagram. Eine lange Zeit, in der ich versuche, authentisch zu sein, echte Einblicke in mein Leben zu geben und eine Gemeinschaft aufzubauen, die auf Austausch und Inspiration basiert. Ich habe unzählige Stunden in Inhalte investiert, die mir am Herzen lagen – und dann ist es ausgerechnet dieses Video, das organisch so richtig durch die Decke geht. Ob man bei 340.000 Aufrufen schon von Viralität spricht oder erst ab einer Million – geschenkt. Die viel spannendere Frage ist doch: Warum gerade dieses Reel?
Die Antwort darauf ist eine ebenso nüchterne wie lehrreiche Erkenntnis über die Funktionsweise von Social Media: Reibung erzeugt Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit erzeugt Reichweite. Es war keine Kontroverse im klassischen Sinne. Ich habe keine politische Debatte losgetreten. Ich habe etwas viel Simpleres (und für manche offenbar viel Provozierenderes) getan: Ich habe mich gezeigt. Ehrlich. Als Frau von 51 Jahren, in Unterwäsche, in einem ganz normalen Körper. Und genau diese unverblümte Echtheit scheint die eigentliche „Reibung“ gewesen zu sein, die der Algorithmus so liebt. Witzigerweise hab ich das auch nicht zum ersten mal gemacht. Aber scheinbar war ich dieses Mal in irgendein Rabbit hole in Instagram gefallen.
Ich lasse mir nicht einreden, dass ich mich kleiner machen muss, damit sich andere wohler fühlen.
Der Algorithmus liebt die Uneinigkeit
Es scheint, als würde die digitale Welt nur noch dann aufhorchen, wenn es irgendwo Reibung gibt. Ein hilfreicher, freundlicher, alltagstauglicher Tipp? Wird zur Kenntnis genommen, vielleicht geliked, und dann scrollt man weiter. Ein Tipp, der Irritationspotenzial bietet? Springt plötzlich auf die „Für dich“-Seiten von Tausenden und wird zum Selbstläufer. Wobei ich mich frage, warum sich an diesem simplen Tipp so viele Leute reiben. Was ist nur los mit den Leuten?
Der Algorithmus, so scheint es, liebt die emotionale Reaktion. Er fördert sie, weil sie Interaktion bedeutet und Interaktion ist die Währung, in der auf diesen Plattformen gezahlt wird. Wir müssen verstehen, dass ein Algorithmus kein neutraler Beobachter ist. Er ist ein auf maximale Verweildauer programmierter Mechanismus. Er misst, wie lange wir bei einem Inhalt bleiben, ob wir ihn kommentieren, teilen oder speichern.
Ein schockierter Kommentar, eine hitzige Debatte, all das sind für den Algorithmus positive Signale. Er lernt: „Dieser Inhalt fesselt die Menschen.“ Und so schiebt er ihn weiter und weiter in die Feeds, unabhängig davon, ob der Inhalt konstruktiv oder destruktiv ist. Meine rote Wäsche wurde so unbeabsichtigt zum Treibstoff für eine Maschine, die von Emotionen lebt.
Die Anatomie der ungefragten Meinungen
Sobald ein Beitrag die eigene, sorgfältig aufgebaute Community verlässt, verändert sich die Atmosphäre. Die Luft wird dünner, die Kommentare schärfer. Plötzlich wird nicht mehr nur geschaut, sondern seziert. Da wird in den Kommentaren diskutiert, ob mein Oberteil „zu dick“ gewesen sei. Ob Rot unter Weiß grundsätzlich „nicht geht“. Oder, mein persönlicher Favorit, ob es schlicht „abartig“ sei. Ein Wort, das man erst einmal sacken lassen muss im Kontext eines Kleidungsstücks.
Versteht mich nicht falsch, ich finde Kritik nicht schlimm. Geschmäcker sind verschieden, Körper sind verschieden, und ja, auch die Transparenz von Stoffen ist verschieden. Was mich jedoch nachdenklich macht, ist die Schärfe, mit der geurteilt wird. Zudem habe ich den Eindruck gewonnen, dass sehr viele dieser Kommentatorinnen nicht gewohnt sind, dass sie Gegenwind im Sinn von einer Antwort erhalten. Denn sehr viele haben ihre miesen Worte am Anschluss daran gelöscht. Feig sind die also auch noch.
Das Phänomen der gegenseitigen Kritik
Und dass es auffallend häufig Frauen sind, die andere Frauen besonders streng bewerten. Es ist ein Phänomen, das tief in gesellschaftlichen Mustern verwurzelt zu sein scheint: der internalisierte Wettbewerb, das ständige Vergleichen, das Gefühl, es gäbe nur eine richtige Art, Dinge zu tun.
Anstatt uns gegenseitig zu unterstützen, zerpflücken wir die Entscheidungen anderer, vielleicht um uns der eigenen sicherer zu sein. Warum triggert es uns so sehr, wenn jemand etwas anders macht, als wir es für richtig halten? Es war ein Styling-Tipp. Kein Gesetzesentwurf. Ein Angebot, keine Vorschrift.
Die Psychologie des Mitläufers
Psychologisch betrachtet, ist dieses Verhalten faszinierend. Es gibt den Mitläufer-Effekt: Sobald einige kritische Kommentare existieren, sinkt die Hemmschwelle für andere, ebenfalls einzustimmen. Man fühlt sich als Teil einer Mehrheit, die „das ja wohl mal sagen darf“. Auf der anderen Seite steht der Wunsch nach Selbstbestätigung. Indem man das Verhalten oder die Wahl einer anderen Person abwertet, wertet man indirekt die eigene auf. „Ich würde das nie so machen, also bin ich stilbewusster/klüger/besser.“ Es ist ein einfacher, aber kurzsichtiger Weg, das eigene Ego zu streicheln. Die Anonymität des Internets wirkt hier wie ein Brandbeschleuniger, der soziale Konsequenzen aushebelt und die dunkelsten Ecken unserer Urteilsfähigkeit zum Vorschein bringt.
Ein Styling-Hack ist kein Dogma
In den Kommentaren wurde mir ausführlich erklärt, mein Shirt sei zu dick gewesen oder der Rot-Trick funktioniere bei einer transparenten Bluse nicht. Ja, natürlich funktioniert nicht alles bei jedem. Mode ist kein Einheitsrezept, und das ist auch gut so. Es ist wie mit der berühmten heißen Milch mit Honig bei Einschlafproblemen. Dem einen hilft sie, der nächste bekommt Bauchweh. Oder denken wir ans Kochen: Ein Rezept für einen Schokoladenkuchen mag für den einen perfekt sein, der andere findet ihn zu süß, der dritte hat eine Glutenunverträglichkeit. Ist das Rezept deshalb schlecht?
Nein, es ist einfach nur eine von vielen Möglichkeiten. Der Grund, warum rote Unterwäsche unter weißer Kleidung oft unsichtbar ist, liegt in der Farbtheorie. Der Rotton kommt dem eigenen Hautton oft näher als ein hartes Weiß oder sogar viele Beige-Töne, wodurch das Auge ihn quasi „verschluckt“. Es ist ein optischer Trick, der auf Kontrastreduktion basiert.
Bei mir funktioniert dieser Trick seit Jahren einwandfrei. Ich trage rote Wäsche unter weißen Shirts. Punkt.
Wer es nicht mag, darf weiterhin Beige tragen. Wir leben zum Glück in einem freien Land, in dem die Wahl der Unterwäsche noch zur persönlichen Freiheit gehört.
Authentizität als neue Währung
Diese Erfahrung wirft für mich eine viel größere Frage auf: Warum teilen wir nicht viel öfter die Beiträge, die uns helfen oder inspirieren? Warum entsteht Dynamik oft erst dann, wenn man widersprechen kann? Wir bestimmen mit unserer Aufmerksamkeit, was sichtbar wird. Jede Interaktion ist ein Signal an den Algorithmus. Und offensichtlich reagieren wir schneller auf Irritation als auf Inspiration. Ein Like für einen schönen Beitrag ist schnell gegeben, aber ein Kommentar, der eine Gegenmeinung vertritt, scheint oft leichter von der Hand zu gehen.
Echte Verbindung statt schneller Reichweite
Das passt zu den Prognosen für Instagram im Jahr 2026. Der polierte Hochglanz-Feed verliert an Bedeutung. Statt Perfektion rücken Authentizität und echte Persönlichkeit in den Vordergrund. Es geht nicht mehr nur darum, was gezeigt wird, sondern wer es zeigt und mit welcher Haltung. Kleinere, engagierte Nischen-Communities werden wertvoller als eine riesige, aber passive Followerschaft. Meine Zusammenarbeit mit dem Wäschehersteller Anita aus Bayern, auf die ich stolz bin, basiert genau darauf: nicht auf kurzfristiger Aufmerksamkeit, sondern auf Überzeugung und Qualität. Viele dieser Stücke begleiten mich seit Jahren. Das ist kein schneller Trend, sondern eine gewachsene Partnerschaft, die auf Vertrauen und gemeinsamen Werten beruht. Und genau das ist es, was am Ende zählt: eine Verbindung zu Menschen, die nicht nur wegen eines viralen Videos hier sind, sondern weil sie den Weg gemeinsam gehen wollen.
Ein dickes Fell und eine gute Jacke
Was ich aus dieser Geschichte mitnehme? Sichtbarkeit hat ihren Preis. Aber Unsichtbarkeit hat einen höheren.Wer sich zeigt, macht sich angreifbar. Das war schon immer so. Nur ist die Bühne heute größer, schneller und lauter.Die Anonymität des Internets enthemmt und lässt Menschen Dinge sagen, die sie einem ins Gesicht niemals sagen würden.Ich lasse mir trotzdem nicht einreden, dass ich mich kleiner machen muss, damit sich andere wohler fühlen. Spaß an Mode, Freude an Inszenierung, Lust an Farbe – das ist kein Regelbruch. Es ist Ausdruck von Persönlichkeit.
Passend dazu mein persönlicher Glücksgriff vom letzten Wochenende: eine Bomberjacke von Drykorn, im Oberpollinger um 50 Prozent reduziert. Kurzer Schnitt, schönes Volumen, perfekt zu den weiten Hosen, die ich gerade so gerne trage. Ein bisschen wie ein modisches Schutzschild gegen digitale Turbulenzen. Sie ist mehr als nur eine Jacke; sie ist eine Rüstung aus Stoff, die mir das Gefühl gibt, gewappnet zu sein. Manchmal hilft es, sich einfach eine gute Jacke überzuziehen. Nicht als Versteck. Sondern als Haltung. Ich ziehe meine Bomberjacke also nicht an, um mich zu verstecken, sondern weil sie mir gefällt und ich mich darin gut fühle.
Sie ist ein Statement für mich selbst, eine Erinnerung daran, dass ich meinen eigenen Stil definiere.
Die wichtigste Lektion von allen
Und beim roten BH bleibe ich auch. Denn am Ende gilt für mich: Ich zeige, was für mich funktioniert. Wer mag, nimmt es mit. Wer nicht, scrollt einfach weiter. So einfach kann es eigentlich sein. Und vielleicht ist das die wichtigste Lektion von allen: die Gelassenheit zu entwickeln, die eigene Überzeugung zu leben und den Lärm einfach weiterziehen zu lassen. Denn unsere Energie ist zu kostbar, um sie an anonyme Kritiker zu verschwenden.
Investieren wir sie lieber in das, was uns Freude macht – sei es eine rote Bluse, eine neue Jacke oder einfach nur ein ruhiger Moment abseits des Bildschirms. Es geht darum, eine innere Stärke zu kultivieren, die nicht von äußerer Bestätigung abhängt. Diese Unabhängigkeit ist der wahre Luxus in einer Welt, die ständig versucht, uns zu bewerten. Und genau diese Gelassenheit wünsche ich uns allen.
Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für diese Gedanken genommen habt (die sind dieses Mal auch echt lang geworden – sorry dafür) und hier auf dem Blog vorbeigeschaut habt. Ich wünsche euch einen wundervollen und entspannten Sonntag, eure Conny
P.S.: Wenn ihr keine Beiträge mehr verpassen wollt, könnt ihr hier gerne meinen Blog abonnieren und noch schöne wäre eine Weiterempfehlung.
DANKE 🖤
Details – Werbung:
Jacke:
Aktuelle
folge von Durchbruch
Der Podcast für Frauen ab vierzig